Bewerbung nach Beruf

Bewerbung als Rechtsanwaltsfachangestellte: Anschreiben & Lebenslauf

Bewerbung als Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFA): Anschreiben-Muster, Lebenslauf-Schwerpunkte und Tipps für Kanzlei, Notariat und Rechtsabteilung.

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Kurz erklärt: Eine Bewerbung als Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFA) richtet sich an mehrere Arbeitgeber-Typen: die klassische Anwaltskanzlei (von der Einzelkanzlei bis zur Großkanzlei), das Notariat (verwandter Beruf: Notarfachangestellte), die Rechtsabteilung eines Unternehmens, das Inkasso-Unternehmen und das Gericht. Das Anschreiben (rund 250 Wörter) nennt die Rechtsgebiete (Zivilrecht, Arbeitsrecht, Familienrecht, Verkehrsrecht), die Kanzleigröße, die Kernaufgaben (Aktenführung, Fristenkontrolle, Schriftsätze, Kostenrecht nach RVG, Zwangsvollstreckung, Mahnverfahren) und die Software-Erfahrung (RA-MICRO, advoware, AnNoText, DATEV Anwalt, beA). Im Lebenslauf zählen Rechtsgebiet-Schwerpunkte, das sicherheitskritische Fristenwesen und konkrete Kanzlei-Software. Weil die Fristenkontrolle haftungsrelevant ist, achten Kanzleien besonders auf Sorgfalt und Zuverlässigkeit.

Arbeitgeber-Typen für Rechtsanwaltsfachangestellte

Rechtsanwaltsfachangestellte arbeiten in sehr unterschiedlichen Umfeldern. Die Wahl prägt Tonalität und Schwerpunkt der Bewerbung.

Anwaltskanzlei (Einzel- bis Großkanzlei)

Das häufigste Setting. Eine Einzelkanzlei mit einem Berufsträger und zwei Mitarbeitenden erwartet ein anderes Profil als eine Wirtschaftskanzlei mit 40 Anwälten und mehreren Standorten.

In der Einzel- oder kleinen Kanzlei ist Vielseitigkeit gefragt: Aktenführung, Fristenkontrolle, Mandanten-Empfang, Schriftsätze, Kostenrecht nach RVG und Zwangsvollstreckung laufen oft durch eine Hand. In der Großkanzlei spezialisierst du dich stärker, etwa auf ein Dezernat, ein Rechtsgebiet oder das Kostenwesen.

Erwartetes Profil: sichere Aktenführung, fehlerfreie Fristenberechnung und Wiedervorlage, Routine im beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) und in der gängigen Kanzlei-Software.

Tonalität im Anschreiben: bei der kleinen Kanzlei persönlich und mit Bezug auf die Vielseitigkeit, bei der Großkanzlei professionell und mit Verweis auf das passende Rechtsgebiet.

Notariat (Notarfachangestellte verwandt)

Im Notariat überschneidet sich das Berufsbild teilweise. Notarfachangestellte erstellen Urkunden-Entwürfe, betreuen Beurkundungen (Kaufverträge, Grundschulden, Erbverträge, Gesellschaftsgründungen), führen das Urkundenverzeichnis und kümmern sich um Grundbuch- und Handelsregister-Anmeldungen.

Wer als ReFA ins Notariat wechselt, betont Übertragbares: Sorgfalt, Fristensicherheit, Umgang mit Mandanten und Behörden. Reines Notar-Wissen lässt sich einarbeiten, viele Anwaltsnotariate suchen ohnehin Mischprofile.

Rechtsabteilung im Unternehmen (Inhouse)

Konzerne und größere Mittelständler unterhalten eigene Rechtsabteilungen. Hier unterstützt du Syndikus-Anwälte, verwaltest Vertrags-Akten, überwachst Fristen, koordinierst externe Kanzleien und pflegst Vertrags-Datenbanken.

Erwartetes Profil: strukturierte Aktenverwaltung, Vertrags-Management, oft Englisch ab B2, sicherer Umgang mit unternehmenseigenen Systemen und gelegentlich SAP. Die Arbeit ist planbarer als in der Kanzlei, der Mandanten-Empfang entfällt weitgehend.

Inkasso-Unternehmen und Gericht

Inkasso-Dienstleister setzen ReFA gezielt im Mahnverfahren und in der Zwangsvollstreckung ein: Mahnbescheide, Vollstreckungsbescheide, Forderungs-Management, Schuldner-Korrespondenz. Wer hier bewerben möchte, stellt Erfahrung im automatisierten Mahnverfahren und in der Titulierung von Forderungen nach vorne.

Am Gericht arbeiten ReFA in der Geschäftsstelle, etwa in der Protokollierung, der Aktenführung und der Kommunikation mit den Verfahrensbeteiligten. Hier zählt Verfahrens-Routine und die Vertrautheit mit Fristen und Zustellungen.

Rechtsgebiete und Software gezielt nennen

Eine ReFA-Bewerbung wirkt durch konkrete Rechtsgebiete und benannte Software, nicht durch allgemeine Floskeln.

Rechtsgebiete als Schwerpunkt

Kanzleien sind meist auf ein oder mehrere Rechtsgebiete spezialisiert. Wer das passende Vorwissen mitbringt, hat einen Vorteil:

  • Zivilrecht (allgemeines Vertrags- und Schuldrecht, Kaufrecht)
  • Arbeitsrecht (Kündigungsschutz, Aufhebungsverträge)
  • Familienrecht (Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht)
  • Verkehrsrecht (Unfall-Regulierung, Bußgeld, Schadensersatz)
  • Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht
  • Handels- und Gesellschaftsrecht (in Wirtschaftskanzleien)
  • Insolvenzrecht und Forderungs-Management

Im Anschreiben benennst du das Rechtsgebiet der Zielkanzlei und ordnest deine Erfahrung zu, statt nur „im Kanzlei-Alltag erfahren" zu schreiben.

Kanzlei-Software konkret benennen

Die Software-Erfahrung gehört in jede ReFA-Bewerbung, weil Einarbeitungszeit Geld kostet:

  • RA-MICRO (sehr verbreitet, besonders im Mittelstand)
  • advoware
  • AnNoText
  • DATEV Anwalt
  • beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) für die Gerichtskommunikation

Wer beA-Routine mitbringt, schreibt das ausdrücklich. Der elektronische Rechtsverkehr ist seit der aktiven Nutzungspflicht Pflichtkanal, und sichere beA-Bedienung ist ein echtes Auswahl-Kriterium.

Anschreiben-Beispiel: ReFA für Wirtschaftskanzlei mit Zivilrecht-Schwerpunkt in Bremen

Sehr geehrte Frau Dr. Wendland,

Ihre Stellenanzeige für eine Rechtsanwaltsfachangestellte in der Kanzlei Wendland Hövelmann Rechtsanwälte in Bremen am Wall hat mich angesprochen. Eine Wirtschaftskanzlei mit acht Berufsträgern und einem klaren Schwerpunkt im Zivil- und Handelsrecht passt zu meinem Wunsch nach anspruchsvoller Dezernats-Arbeit mit eigener Verantwortung.

Seit 2022 bin ich als Rechtsanwaltsfachangestellte in der Kanzlei Brinkmann & Kollegen in Bremen-Mitte tätig. Ich betreue eigenverantwortlich die Akten von zwei Berufsträgern im Zivil- und Vertragsrecht. Zu meinen Aufgaben gehören die vollständige Aktenführung, die Fristenkontrolle mit Vorfristen und Wiedervorlage, das Erstellen von Schriftsätzen und Korrespondenz nach Diktat sowie die Kostenberechnung nach RVG.

Das Fristenwesen führe ich seit drei Jahren ohne Fristversäumnis. Eingehende und ausgehende Fristen erfasse ich doppelt im System und im Fristenkalender, Vorfristen kontrolliere ich täglich. Die Gerichtskommunikation wickle ich vollständig über das beA ab.

In der Zwangsvollstreckung und im gerichtlichen Mahnverfahren bin ich routiniert: Mahn- und Vollstreckungsbescheide, Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse sowie die Forderungs-Überwachung gehören zu meinem Alltag. Als Kanzlei-Software nutze ich RA-MICRO, mit advoware bin ich aus meiner Ausbildung vertraut.

Was mich an Ihrer Kanzlei reizt, ist der Handelsrecht-Schwerpunkt und die Größe, in der spezialisierte Dezernats-Arbeit möglich ist.

Verfügbar bin ich ab dem 1. September 2026. Über eine Einladung zum Gespräch freue ich mich.

Mit freundlichen Grüßen

Melanie Hartung

Lebenslauf-Schwerpunkte für Rechtsanwaltsfachangestellte

Der ReFA-Lebenslauf überzeugt durch Rechtsgebiete, Software und das sicherheitskritische Fristenwesen.

Bei jeder Station nenne:

  • Kanzlei-Typ (Einzelkanzlei, mittelständische Sozietät, Großkanzlei, Notariat, Rechtsabteilung, Inkasso, Gericht)
  • Kanzleigröße (Anzahl Berufsträger und Mitarbeitende)
  • Rechtsgebiet-Schwerpunkte (Zivilrecht, Arbeitsrecht, Familienrecht, Verkehrsrecht, Handelsrecht)
  • Kernaufgaben (Aktenführung, Fristenkontrolle und Wiedervorlage, Schriftsätze, Mandanten-Empfang, Kostenrecht nach RVG, Zwangsvollstreckung, Mahnverfahren)
  • Software (RA-MICRO, advoware, AnNoText, DATEV Anwalt, beA)
  • Verantwortungsgrad (eigenes Dezernat, eigene Akten, Bearbeitung nach Anweisung)

Fristenwesen besonders ausweisen:

Das Fristenwesen ist haftungsrelevant. Ein versäumter Fristablauf kann zu Regress-Ansprüchen führen, deshalb ist Fristensicherheit das wichtigste Vertrauens-Signal. Formuliere konkret:

  • Eigenverantwortliche Fristenkontrolle mit Vorfristen und Wiedervorlage
  • Doppelte Fristen-Erfassung (System und Kalender)
  • Anzahl der Jahre ohne Fristversäumnis
  • Routine im elektronischen Rechtsverkehr über beA

Ausbildung detailliert:

  • Kammer- beziehungsweise IHK-Prüfung mit Note und Datum
  • Ausbildungs-Kanzlei und Rechtsgebiet
  • Dreijährige duale Ausbildung (Berufsschule und Kanzlei)

Aufgaben-Bausteine spezifisch nennen:

  • Aktenanlage und Aktenführung
  • Fristen- und Terminkontrolle, Wiedervorlage
  • Schriftsätze und Korrespondenz nach Diktat
  • Kostenrecht und Vergütung nach RVG
  • Zwangsvollstreckung (Pfändung, Vollstreckungsbescheid)
  • Mahnverfahren (Mahn- und Vollstreckungsbescheid)
  • Gerichtskommunikation über beA
  • Mandanten-Empfang und Telefon-Erstkontakt

Weiterbildung und Tarif

Die Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten ist eine dreijährige duale Ausbildung mit Abschluss vor der zuständigen Rechtsanwaltskammer (vergleichbar einer IHK-Prüfung). Danach stehen mehrere Aufstiegs-Wege offen:

  • Rechtsfachwirtin (geprüft, anerkannte Fortbildung, ermöglicht Büro-Leitung und gehobene Sachbearbeitung)
  • Geprüfte Bürovorsteherin oder Kanzlei-Management
  • Fachwirtin für Notariate beziehungsweise Notarfachwirtin
  • Rechtspflege-nahe Weiterbildungen für den Gerichts-Bereich
  • Spezialisierungs-Lehrgänge (Zwangsvollstreckung, Kostenrecht, beA und elektronischer Rechtsverkehr)

Die Vergütung orientiert sich am Tarif für das Rechtsanwalts- und Notarwesen (regional unterschiedlich, oft als empfehlender Tarif). Als Orientierung 2026: Berufseinsteigerin rund 2.400 bis 2.900 Euro brutto, mit Berufserfahrung 2.900 bis 3.600 Euro, in der Großkanzlei oder Wirtschaftskanzlei deutlich höher. Mit der Rechtsfachwirtin-Qualifikation und Büro-Verantwortung steigt das Gehalt weiter. Im Anschreiben nennst du Gehaltsvorstellungen nur, wenn die Stellenanzeige danach fragt.

Häufige Fragen

Soll ich „Rechtsanwaltsfachangestellte" oder „ReFA" schreiben?

In der Bewerbung übernimmst du die vollständige Berufsbezeichnung „Rechtsanwaltsfachangestellte" aus der Stellenanzeige. Die Abkürzung ReFA ist im Kanzlei-Alltag verbreitet und im Anschreiben gut als Kurzform nach der ersten Nennung verwendbar, im Titel und im Lebenslauf-Kopf bleibt die ausgeschriebene Form.

Wie viel verdient eine Rechtsanwaltsfachangestellte 2026?

Nach dem Tarif für das Rechtsanwalts- und Notarwesen verdient eine Berufseinsteigerin rund 2.400 bis 2.900 Euro brutto, mit Berufserfahrung 2.900 bis 3.600 Euro. Großkanzleien und Wirtschaftskanzleien zahlen meist darüber, ebenso Inhouse-Rechtsabteilungen. Mit der Rechtsfachwirtin-Qualifikation und Verantwortung für ein Büro liegt das Gehalt nochmals höher.

Wie wichtig ist Erfahrung mit dem Fristenwesen?

Sehr wichtig. Die Fristenkontrolle ist sicherheitskritisch, weil ein Fristversäumnis Haftung auslöst. Kanzleien achten besonders darauf, ob du Vorfristen, Wiedervorlage und doppelte Fristen-Erfassung beherrschst. Wer im Anschreiben konkret beschreibt, wie er Fristen sichert, und auf eine Zeitspanne ohne Fristversäumnis verweist, hebt sich deutlich ab.

Brauche ich beA- und Software-Erfahrung zwingend?

Praktisch ja. Die Gerichtskommunikation läuft über das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach), und die meisten Kanzleien arbeiten mit RA-MICRO, advoware, AnNoText oder DATEV Anwalt. Nenne die konkrete Software-Erfahrung, statt nur „EDV-affin" zu schreiben. Wer eine andere Software kennt, betont die schnelle Einarbeitung, die Grundlogik der Kanzlei-Programme ähnelt sich.

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